Die Idee

Im Hinblick auf Raubbau und Schäden an menschlicher Gesundheit und ökologischen Lebensgrundlagen durch wirtschaftliche Tätigkeit wird viel­fach „Nachhaltigkeit“ gefordert. Darunter wird verstanden, dass wirtschaft­liche Entwicklung die Bedürfnisse der heutigen Generation berücksichtigt ohne die Lebenschancen künftiger Generationen aufs Spiel zu setzen.

Unabhängig davon, dass eine solche Nachhaltigkeit bisher nur ansatzweise durchgesetzt werden konnte, bleibt bei diesem Konzept unberücksichtigt, dass der Begriff „Bedürfnis“ bestimmten Definitionen und Interpretationen unterliegt und entscheidend von der gegebenen gesellschaftlichen Machtverteilung bzw. den allgemeinen Werten abhängt.

Auch die üblichen ethischen Geldanlagen lassen diese Unbestimmtheit des Bedürfnisbegriffes außer Acht. Sie arbeiten auf der Basis von zumeist eigens entwickelten Kriterien-Katalogen, die die gegebenen Bedürfnis­definitionen mehr oder weniger bewusst nicht weiter hinterfragen bzw. übernehmen. Zwar werden allerlei ökologische, soziale und andere Kriterien zum Ansatz gebracht, aber die Frage nach der Bestimmung der subjektiven und objektiven Bedürfnisse bleibt weitgehend unberücksichtigt.

ProSolidar hingegen geht davon aus, dass die grundlegenden Lebensbedürf­nisse der Menschen nach einem Leben in Frieden, in sozialer Sicherheit, ohne Ausbeutung etc. in einer kapitalistisch organisierten Welt objektiv überhaupt nicht bzw. kurzfristig nur für eine kleine Minderheit der Weltbevölkerung realisierbar sind. Langfristig nicht einmal für diese. Einzig deshalb, weil die Bedürfnisse, die im Kapitalismus zum Tragen kommen, ausschließlich von den Verwertungsinteressen des Kapitals diktiert bzw. manipuliert sind. Zugeständnisse des Kapitals an die genannten grund­legenden Interessen müssen stets in zähem und hartem Ringen erkämpft werden. Denn grundsätzlich schmälert die Befriedigung dieser Grundbedürfnisse die Profite des Kapitals. Beispiele sind das Bedürfnis nach einem Acht-Stunden-Arbeitstag, nach sozialem Schutz, nach Krankenversorgung und nach einem Verbot der Kinderarbeit. All diese Bedürfnisse mussten die Menschen in von der Gegenseite brutal geführten Kämpfen durchsetzen, in denen viel zu viele sogar ihr Leben lassen mussten. Heute sind wir ZeugInnen, wie ausnahmslos all diese Errungenschaften in heftigen Attacken des Kapitals bzw. seiner politischen Vertreter angegriffen und wieder abgeschafft werden.

Große Bedeutung für die Missachtung der Bedürfnisse der Menschen bzw. für das derzeit stattfindende Rückgängigmachen sozialer und auch ökologischer Errungenschaften hat neben dem Kapitalverwertungsprinzip eine weitere dem Kapitalismus innewohnende Gesetzmäßigkeit, das Gewinnmaximierungsprinzip. Dieses verdrängt systematisch und zwangsläufig
die grundlegenden Interessen der Menschen zugunsten „wirtschaftlicher Erfordernisse“. Da kann der gute Wille oder der ethisch-moralische Anspruch Einzelner bzw. auch von Gruppen noch so groß sein, dieses Grundgesetz kapitalistischer Wirtschaftsorganisation, das zum festen Bestandteil eines jeden ersten Semesters wirtschaftswissenschaftlichen Studiums gehört, lässt sich nicht außer Kraft setzen oder umgehen.

Wird das kapitalistische Grundgesetz der Gewinnmaximierung von einzelnen Firmen – bewusst oder unbewusst – missachtet, dann ist der Untergang des entsprechenden Unternehmens zwangsläufig. Auch wenn es anfänglich vielleicht aufgrund wirtschaftliche Nischenbedingungen erfolgversprechende Verläufe geben kann.

Es gibt auch keinerlei Möglichkeit „alternative“ Inseln zu schaffen. Jeder Versuch ist letztlich zum Scheitern verurteilt, wie die lange Reihe der Experimente im Lauf der beiden Jahrhunderte seit Existenz des Kapitalismus beweist: Von den sozialistisch inspirierten Genossenschaften des vorletzten Jahrhunderts bis hin zu den ökologisch und sozial orientierten selbstverwalteten Betrieben der 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Es sind bestenfalls Zugeständnisse in Teilbereichen möglich, die durchzusetzen es aber wie festgestellt bereits großer Anstrengungen bedarf und die ständig von Wiederabschaffung bedroht sind, da sie in Widerspruch zu den genannten ökonomischen Gesetzen stehen.

Zumeist allerdings wird im Falle der bewussten Aushebelung des Profitprinzips der Untergang durch Anpassung an die „Erfordernisse“, an „Sachzwänge“ etc. vermieden bzw. hinausgezögert. Typisches Beispiel ist die aus der sozialistisch-kommunistischen Bewegung mit viel Enthusiasmus und sogar mit dem Wissen um die kapitalistischen Wirtschaftsgesetze entstandene Genossenschaftsbewegung. Sie existiert heute noch, weil sie sich entsprechend kapitalistisch angepasst hat. Dabei wurde sie zu einer Karikatur ihrer selbst, und auch das Profitprinzip gilt in den meisten Ge­nossenschaften inzwischen ungehemmt.

ProSolidar geht andere Wege. Zunächst bekennt der Fonds sich ohne Wenn und Aber zur gesellschaftlichen Verantwortung für die Gewährleistung und Entwicklung menschenwürdiger Lebensgrundlagen unter Einschluss der Mitwelt sowie einer besseren Zukunft. Weiterhin entzieht er in vollem Wissen um die kapitalistischen Gegebenheiten mit ihrem Zwang zur Anpassung die ihm überlassenen Gelder so weit wie nur irgend möglich den kapitalistischen Finanzströmen und lenkt sie in Aktivitäten, die die objektiven Lebensinteressen gegenüber den Profitmechanismen achten und verteidigen. Solche Aktivitäten sind etwa in der weltumspannenden globalisierungs- und konzernkritischen Bewegung gegeben. Diese Herangehensweise hat einerseits zur Folge, dass ProSolidar zwar keine „Maximal-Renditen“ realisiert, sich andererseits aber dem Anpassungsdruck an die ökonomischen Gesetze entziehen und dauerhaft im Interesse grundlegender Bedürfnisse der Bevölkerung wirken kann.

Leben statt Profit

Auf den Punkt gebracht wird die Idee von ProSolidar im Motto des Fonds „Leben statt Profit“.

Ökologie- und sozialpolitische Projekte dienen den langfristigen (Über-) Lebensinteressen der Menschheit. Diese Projekte betätigen sich für die Sicherung der Menschenrechte, des Umweltschutzes und der sozialen Sicherheit. Selbst wenn die Ziele ggfs. nicht direkt durchsetzbar sind, so sorgt das Engagement doch für eine Minderung der Verschlechterungen und liefert darüber hinaus der sozialen Gemeinschaft aller Menschen Zuversicht, Hoffnung und Vision. Die Ideale der Solidarität, Verantwortungsübernahme, Menschlichkeit und Rücksichtnahme werden gestärkt.

Kommt hinzu, dass die Situation in allen genannten Bereichen alarmierend ist. Verstärktes Handeln ist dringend geboten. Was wiederum eine Abkehr von der Geld-Rendite als einziger Maxime erforderlich macht. Dem Rendite-Anspruch unterworfene Anlagen im wirtschaftlichen Bereich müssen durch verantwortungsbewusste Investments ersetzt werden.

Entsprechend schüttet ProSolidar keine Rendite an die EinlegerInnen aus. Sämtliche Erträge finanzieren ungeschmälert ökologie- und sozialpolitische Projekte mit konzern- und gesellschaftskritischem Ansatz. ProSolidar bietet seinen EinlegerInnen derart direktes Investment in derartige Projekte. Entsprechend bewirkt das finanzielle Engagement bei ProSolidar keinen Profit für die EinlegerInnen, aber eine Verbesserung der Lebensqualität. Von dieser wiederum profitieren alle, aber eben auch die EinlegerInnen selbst. Das ist es, was das Prinzip von ProSolidar „Leben statt Profit“ bedeutet.

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